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Anekdote

(von gr. anékdota = das nicht Herausgegebene, das ursprünglich aus Gründen der Diskretion Geheime)
 

Am Anfang stehen die "Anekdota" des Prokopios von Ceasarea im 6. Jh. n. Chr. (lateinische Form: Prokop). Sie enthalten entlarvende Geschichten über Kaiser Justitian und seine Gemahlin Theodora, die in offiziellen Regierungsgeschichten nicht veröffentlicht werden kann

Heute bezeichnet Anekdote eine knappe epische Kleinform, die sprachlich knapp - oft in Rede und Gegenrede - auf einen überraschenden Gipfel oder eine plötzliche Wendung zielt und so eine Pointe ergibt, die sich als Wortwitz, Schlagfertigkeit oder paradoxe Fügung darstellt. Die Anekdote erfasst eine bestimmte Situation, in der sich in scharfer Charakterisierung menschliche Wesenszüge einer historischen Persönlichkeit enthüllen.

Aber auch bestimmte geschichtliche Ereignisse, merk- bzw. denkwürdige Begebenheiten, in denen eine Gesellschaftsgruppe, eine Geisteshaltung oder eine ganze Zeitepoche fassbar werden, sowie erdachte (fiktive), aber auch bezeichnende Gestalten oder menschliche Haltungen können Gegenstand der Anekdote sein. Denn das Erzählte muss zwar immer Charakteristisches offenbaren, braucht aber nicht unbedingt historisch verbürgt zu sein, sondern muss nur so möglich und glaubwürdig erscheinen.

In der deutschen Literatur wurde die Anekdote als Kunstform vor allem entwickelt in den Predigten Abrahams a Sancta Clara (1644-1709), in den Kalendergeschichten H. J. Ch. von Grimmelshausen (um 1622-1676), J. P. Hebels (1760-1826) und J. Goethes (1797-1854).
Künstlerische Höhepunkte erreichte die Anekdote bei Heinrich von Kleist (1777-1811) und in diesem Jahrhundert bei Wilhelm Schäfer (1868-1952).

Deutlich verwandt ist die Anekdote u.a. mit der Beispielgeschichte (dem Exempel), der Fabel, dem Schwank, der Kalendergeschichte, der Satire und vor allem der Kurzgeschichte.
 
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