DEUTSCH
DEUTSCH Biographien Begriffe
 
 

Die Kalendergeschichte

(zu Kalender, von lat. calendae = erster Tag des Monats, übertragen: Monat)
 

Seit Erfindung des Buchdrucks verbreitete sich der Jahreskalender mehr und mehr (vgl. "Der astronomische Kalender für 1448" und der "Türkenkalender für 1445", beide aus der Werkstatt Gutenbergs). Neben dem Verzeichnis von Tagen, Wochen und Monaten enthielten die Kalender früh die Angabe kirchlicher Festtage sowie meteorologische und astronomische Daten, aber auch vielerlei praktische Hinweise - Rezepte, Lebens- und Gesundheitsregeln, Angaben über Maße und Gewichte - und Lehrhaftes sowie Unterhaltsames: Sprichwörter, Ratschläge, Weisheiten, Anekdoten, Legenden, Sagen, Schwänke, Satiren, allerlei Kurzerzählungen und Tatsachenberichte. Alle Beiträge waren volkstümlich, meist wirklichkeitsbezogen, oft erheiternd, immer jedoch aufklärerisch-lehrhaft (didaktisch) oder religiös erbaulich.

Bis ins 19. Jh. blieben die dichterischen epischen Kurztexte im wesentlichen an die Publikationsform des Kalenders gebunden. Bedeutende Verfasser dieser Kurzgeschichten waren seit den 17. Jh. u.a.:

  • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen,
  • im 19. Jh. vor allem Johann Peter Hebel,
  • Alban Stolz,
  • Jeremias Gotthelf,
  • Bertold Auerbach und
  • Peter Rosegger

Im 20. Jh. hat sich die Kalendergeschichte dann zu einer selbständigen Prosakunstform entwickelt, die - meist ganz unabhängig von Jahreskalendern - in Zeitschriften, Sammlungen (Anthologien) und in einigen Bänden erschienen: so z.B. bei

  • Oskar Maria Graf (1929),
  • Karl Heinrich Waggerl (1937),
  • Berthold Brecht (1949) oder bei
  • Erwin Strittmatter (geb. 1912) im "Schulzendorfer Kramkalender" (1969).
 
  Fragen und Anregungen an Andy Bartsch info@pub.ab-one.de