KUNST
KUNST Epochen der Kunst Bildanalyse Theorie
 
 

Bildbeschreibung und Kunstbetrachtung

Kunst richtig zu sehen will geübt sein. Es gibt ein gutes Mittel dazu: das Beschreiben dessen, was man sieht. Das schärft die Sinne (schult auch den Verstand) und führt zum bewußten Sehen. Wer beispielsweise versucht, einen Sonnenaufgang zu beschreiben, zwingt sieh dabei, gleichmäßig auf Einzelheiten und ihren Zusammenhang zu achten. Jeder sollte einmal sich selbst oder anderen Kunstwerke erklären: Man erwirbt dabei die Fähigkeit, systematisch zu betrachten, und lernt mehr, tiefer und richtig zu sehen.

Es gibt gewisse Regeln der Bildbeschreibung, die zur rechten Kunstbetrachtung führen.
Vor jedem Kunstwerk gilt:
Seitenbenennungen (rechter oder linker Arm, der Mann rechts oder der Mann links usw.) werden grundsätzlich vom Standpunkt des Betrachters aus gegeben. Auf der Bildfläche unterscheidet man zur besseren Orientierung und Ortsbestimmung: Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund, Die Beschreibung beginnt zweckmäßig mit der einfachen Erklärung dessen, was an Gegenständen oder Personen zu sehen ist. Bei einem Figurenbild mit Landschaftshintergrund beschreibt man zuerst die Figuren und dann die Landschaft. Sind nur Figuren dargestellt, wird zuerst die auffälligste geschildert. Erwecken alle Figuren ein gleichmäßiges Interesse, so soll in der Beschreibung am linken Bildrand begonnen werden.
Die Wichtigkeit der Figuren ergibt sich dann aus dem Zusammenhang, der durch die Beschreibung klar wird. Landschaftsbeschreibungen werden mit einer Schilderung des Vordergrunds, Porträts mit einer Charakterisierung der Darstellungsart begonnen. Es wird dargelegt, ob der Abgebildete in ganzer oder halber Figur oder als Bruststück ob von der Seite oder von vorn (das heißt im Profil oder "en face" gezeigt wird. Beschreibungen von Stillleben beginnen mit dem Gegenstand auf dem die "nature morte" (tote Natur) gruppiert wurde. Danach wird diese selbst und ihre Anordnung geschildert.
So schreitet man fort, dringt immer tiefer in das Bild ein, ermittelt bei Historien- und Genreszenen die Handlung, erfaßt den Charakter von Landschafts- Menschendarstellungen und kommt wie von selbst zur Beschreibung formaler und farblicher Zusammenhänge die sowohl zur Charakterisierung der Dinge als auch für die Kennzeichnung der ihnen zugrunde gelegten Situationen ferner zur Erläuterung des Bildaufbaus und schließlich sogar zum Erfassen des Inhalts des Werkes von großer Bedeutung sind.

Bei Reliefplastken beginnt man wie beim Gemälde. Erst bei der Beschreibung von Bau- oder Freiplastiken wird es notwendig, anders vorzugehen. Hier beginnt die Beschreibung von der Standfläche aufwärts. Sind mehrere Körper in einer Gruppe dargestellt so gilt für sie zunächst dasselbe wie für die Einzelplastik. Zuerst wird die Art und Weise des Stehens gegebenfalls des Lagerns beschrieben, denn daraus ergibt sich der Aufbau der Plastik. Darauf wird die Körper- und Gewandbehandlung dargelegt. Man beschreibt Schulter- und Armhaltung endlich das Haupt, das Antlitz und seinen Ausdruck; zuletzt verweilt man bei besonderen Feinheiten in der Behandlung des plastischen Materials. Aus diesem vielfältigen Erfassen des Gegenständlichen in seiner formaler Gestaltung schließt man dann auf den Inhalt der Darstellung. Handelt es sich um Gruppenplastik, so geht die Beschreibung des einzelnen der Schilderung des Zusammenhangs voran. Hier erschließen letztlich die Beziehungen zwischen den einzelnen Teilen der Plastik den Inhalt.

 
  Fragen und Anregungen an Andy Bartsch info@pub.ab-one.de